Tendermint erklärt

Tendermint erklärt

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Aktualisiert Apr 22, 2026
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Zusammenfassung

  • Tendermint ist eine quelloffene Konsens-Engine für Blockchains, die die Aufgaben von Konsens- und Netzwerklayer vollständig übernimmt. Sie ermöglicht es Entwicklern, sich voll auf die Anwendungslogik zu konzentrieren und diese in einer beliebigen Programmiersprache umzusetzen.

  • Das System nutzt einen byzantinisch fehlertoleranten Proof-of-Stake-Konsensmechanismus. Dieser garantiert eine sofortige Finalität von Transaktionen, wodurch langwierige Blockbestätigungen entfallen.

  • Über das Application Blockchain Interface (ABCI) wird die Konsens-Engine strikt vom Anwendungslayer getrennt, was die Architektur hochgradig flexibel macht.

  • Auf Tendermint baut das Cosmos SDK auf. Dieses integriert das Inter-Blockchain-Communication (IBC)-Protokoll, das Cross-Chain-Interoperabilität zwischen Hunderten von Blockchains ermöglicht.

  • Mit der Einführung von IBC v2 (Eureka) im Cosmos Hub im April 2025 wurde die native Interoperabilität entscheidend erweitert. Diese technologische Neuerung schafft eine direkte Anbindung an Ethereum, wodurch keine Bridges von Drittanbietern mehr benötigt werden.

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Einleitung

Die gängigen Blockchains sind in ihrer Struktur oft sehr starr. Entwickler haben in der Regel zwei Optionen: Entweder sie akzeptieren die Einschränkungen einer bestehenden Umgebung oder sie forken den Code, um eine eigene Blockchain zu starten. Letzteres ist jedoch extrem aufwendig, da mühsam ein eigenes Netzwerk aufgebaut und ein sicherer Konsensmechanismus implementiert werden muss.

Die Open-Source-Software Tendermint (auch CometBFT genannt) schafft hier Abhilfe. Sie bietet einen einsatzfertigen Konsens- und Netzwerklayer. So können sich Entwickler voll auf ihre Anwendungslogik konzentrieren und diese darüber hinaus in der Programmiersprache ihrer Wahl umsetzen.

Die Grundlagen von Tendermint

Blockchain-Architektur

Tendermint ist ein Blockchain-Stack, der in seinem Aufbau mit den Grundstrukturen von Bitcoin oder Ethereum vergleichbar ist. Ein solcher Stack umfasst nicht nur die Blockchain-Datenbank, sondern auch ein Peer-to-Peer-Netzwerk aus Knoten, die gesamte Kommunikationsinfrastruktur sowie die Transaktions- und Smart-Contract-Logik. Diese Architektur ist darauf ausgelegt, dass sich alle Netzwerkteilnehmer zuverlässig auf einen gemeinsamen Systemzustand einigen können – selbst in einer Umgebung ohne gegenseitiges Vertrauen.

Während viele große Blockchains auf eine monolithische Architektur setzen, bei der die Softwarekomponenten eng miteinander verzahnt sind, verfolgt Tendermint einen modularen Ansatz. Bei monolithischen Systemen birgt jede Änderung an einem Teilbereich das Risiko, das gesamte Gefüge zu beeinträchtigen. Tendermint hingegen trennt die einzelnen Komponenten strikt voneinander, sodass diese unabhängig voneinander weiterentwickelt und aktualisiert werden können.

Byzantinische Fehlertoleranz (BFT)

Bitcoin löste ein grundlegendes Problem verteilter Systeme, das als Problem der byzantinischen Generäle bekannt ist. In einem byzantinisch fehlertoleranten System können die Teilnehmer selbst dann einen Konsens erzielen, wenn einzelne Knoten falsche Informationen senden oder manipuliert wurden. In unserem Artikel über die byzantinische Fehlertoleranz (BFT) erfährst du mehr darüber.

Eine Blockchain, die nicht byzantinisch fehlertolerant ist, kann ohne einen zentralen Koordinator nicht zuverlässig funktionieren. Während Bitcoin dieses Problem mit einem Proof-of-Work (PoW)-Konsensalgorithmus löste, verfolgt Tendermint einen anderen Ansatz.

Drei Blockchain-Layer

Blockchains bestehen typischerweise aus drei Layern: dem Anwendungslayer, dem Konsenslayer und dem Netzwerklayer. Während der Netzwerk- und der Konsenslayer die Kommunikation zwischen den Knoten regeln und die Einigung auf einen Netzwerkzustand sicherstellen, bildet der Anwendungslayer die Ebene für Entwickler und Nutzer. Hier wird die eigentliche Logik dezentraler Anwendungen und Smart Contracts implementiert.

Tendermint stellt die Logik von Netzwerk- und Konsenslayer bereit. Die Gestaltung der Anwendungsebene bleibt hingegen vollständig dem Entwickler überlassen.

Tendermint Core

Zunächst eine kurze Anmerkung zur Terminologie: Tendermint bezeichnet sowohl das ursprüngliche, von Jae Kwon gegründete Unternehmen als auch seine Software. Tendermint Core ist der Name der Konsens-Engine. Um die Relevanz über das Cosmos-Ökosystem hinaus zu verdeutlichen, wurde Tendermint Core im Jahr 2023 in CometBFT umbenannt. Im Zusammenhang mit dem Protokoll werden beide Begriffe heute weitgehend synonym verwendet.

CometBFT ist eine verteilte Konsens-Engine mit byzantinischer Fehlertoleranz. Sie nutzt einen Proof-of-Stake (PoS)-Mechanismus, bei dem in jeder Runde ein zufälliger Validator aus der Gruppe der aktiven Validatoren ausgewählt wird, um den nächsten Block vorzuschlagen. Stimmen genügend andere Validatoren zu, wird der Block zur Blockchain hinzugefügt. Die Finalität ist dabei sofort gegeben. Anders als bei Bitcoin oder Ethereum muss nicht auf Bestätigungen gewartet werden.

Solange mindestens zwei Drittel der Validatoren ehrlich sind, funktioniert das Netzwerk ordnungsgemäß. CometBFT ist darauf ausgelegt, 1.000 bis 10.000 Transaktionen pro Sekunde mit einer Finalität von unter sechs Sekunden zu verarbeiten.

Das Application Blockchain Interface (ABCI)

Was Tendermint für Entwickler besonders nützlich macht, ist das Application Blockchain Interface (ABCI). Diese Schnittstelle fungiert als Brücke zwischen der Konsens-Engine und dem individuellen Anwendungslayer. Da das ABCI ein universeller Standard ist, lässt sich die Anwendungslogik in jeder beliebigen Programmiersprache umsetzen und nahtlos an die Konsens-Engine anbinden, ohne dass deren Code modifiziert werden muss.

Dies bedeutet, dass ein Entwickler, der eine neue Blockchain baut, weder den Konsensalgorithmus selbst implementieren noch mühsam ein eigenes Validator-Netzwerk aufbauen muss. Stattdessen kann er sich ganz auf seine Anwendungslogik konzentrieren und diese einfach in den bestehenden Technologie-Stack integrieren.

Die Weiterentwicklung von Ethermint

Ein frühes Beispiel für das Potenzial von Tendermint ist Ethermint. Dieses Projekt verknüpfte die Ethereum Virtual Machine (EVM) mit Tendermint Core, um die Ausführung Solidity-basierter Smart Contracts auf einer Proof-of-Stake-Blockchain zu ermöglichen. Inzwischen wurde Ethermint durch Evmos sowie durch die 2025 von Cosmos Labs veröffentlichte, quelloffene Cosmos-EVM abgelöst. Das zugrundeliegende Konzept – eine Ethereum-kompatible Ausführung mit einem schnelleren und energieeffizienteren Konsenslayer zu kombinieren – bleibt ein zentraler Pfeiler des Cosmos-Ökosystems.

Blockchain-Interoperabilität und das Cosmos-SDK

Das Cosmos-SDK ist ein Open-Source-Framework, das auf CometBFT basiert. Es vereinfacht die Entwicklung spezialisierter öffentlicher oder privater Blockchains. Über das Inter-Blockchain-Communication (IBC)-Protokoll lassen sich diese Blockchains mit dem breiteren Cosmos-Netzwerk verbinden. Das IBC-Protokoll ermöglicht den direkten Transfer von Assets sowie den Datenaustausch zwischen Blockchains, ohne dass eine zentrale Bridge erforderlich ist. Diese Vision eines vernetzten Ökosystems wird oft als „Internet der Blockchains“ bezeichnet. Dessen weitreichende Interoperabilität hat das Interesse zahlreicher Entwickler geweckt.

Mit der Einführung von IBC v2 (Eureka) im Cosmos Hub im April 2025 wurde diese native Konnektivität auf Ethereum ausgeweitet. Nutzer können nun Assets zwischen dem Cosmos-Ökosystem und Ethereum ohne Drittanbieter-Bridges übertragen. Aktuell wickelt IBC über mehr als 115 vernetzte Blockchains hinweg ein monatliches Cross-Chain-Transfervolumen von über 3 Mrd. USD ab. Weitere Informationen zum Ökosystem findest du im Artikel zu Cosmos (ATOM).

Zu den bekannten Projekten, die mithilfe des Cosmos-SDK entwickelt wurden, gehören die BNB Smart Chain, Osmosis, dYdX und Injective. Diese Projekte zeigen die Bandbreite der Anwendungsfälle, die das Framework unterstützt: von dezentralen Kryptobörsen (DEXes) über Derivateplattformen bis hin zu anwendungsspezifischen Finanz-Blockchains.

FAQ

Was ist der Unterschied zwischen Tendermint und CometBFT?

Beide bezeichnen dieselbe Konsens-Engine. Tendermint Core wurde 2023 in CometBFT umbenannt, um die unabhängige Entwicklung und Nutzung über das ursprüngliche Cosmos-Projekt hinaus widerzuspiegeln. Das zugrundeliegende Protokoll und seine byzantinisch fehlertolerante Proof-of-Stake-Mechanik blieben jedoch unverändert.

Ist Tendermint dasselbe wie Cosmos?

Nein. Tendermint (CometBFT) ist die Konsens-Engine, die das Cosmos-SDK antreibt, aber es handelt sich um separate Komponenten. Cosmos ist ein breites Ökosystem interoperabler Blockchains. Tendermint stellt den Konsens- und Netzwerklayer bereit, die Cosmos-Blockchains nutzen können.

Wie erreicht Tendermint sofortige Finalität?

Tendermint nutzt ein rundenbasiertes Abstimmungsverfahren für Validatoren. Sobald eine Zweidrittelmehrheit einen Block signiert, ist dieser sofort final. Im Gegensatz zu vielen anderen Blockchains gibt es hier keine probabilistische Finalität und somit kein Risiko einer Blockchain-Reorganisation. Jede Transaktion ist bereits mit dem ersten Block, in dem sie enthalten ist, endgültig bestätigt.

Was ist ABCI?

Das Application Blockchain Interface (ABCI) ist eine Standardschnittstelle, die die Tendermint-Konsens-Engine mit einem Anwendungslayer verbindet. Da die Schnittstelle sprachagnostisch ist, können Entwickler ihre Anwendung in jeder Programmiersprache schreiben und dennoch den Konsens- und Netzwerk-Stack von Tendermint nutzen.

Was ist IBC v2 (Eureka)?

Das im April 2025 eingeführte Upgrade IBC v2 (Eureka) ermöglicht eine native Konnektivität zwischen dem Cosmos-Ökosystem und Ethereum. Durch diese direkte Anbindung entfällt die Abhängigkeit von Drittanbieter-Bridges. Sowohl Asset-Transfers als auch der Datenaustausch werden nun unmittelbar und sicher zwischen beiden Netzwerken unterstützt.

Fazit

Tendermint löst eine der größten Hürden in der Blockchain-Entwicklung: die Notwendigkeit, für jede neue Blockchain den Konsensalgorithmus von Grund auf neu zu entwerfen. Indem die Software die Aufgaben von Konsens- und Netzwerklayer übernimmt, schafft sie die Basis für eine modulare, sprachagnostische Entwicklung, bei der sich Programmierer voll auf ihre Anwendungen konzentrieren können. CometBFT führt diese Architektur technologisch fort. Derweil fungiert das Cosmos-SDK als effizientes Toolkit, das das Fundament für einige der bedeutendsten Blockchains bildet.

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