Zusammenfassung
EigenCloud (ehemals EigenLayer) ist ein Ethereum-basiertes Protokoll, das das Restaking eingeführt hat. Das Protokoll ermöglicht es, bereits gestaktes ETH einzusetzen, um über den Ethereum-Basislayer hinaus zusätzliche Dienste abzusichern.
Auf EigenCloud aufbauende Dienste heißen aktiv validierte Dienste (AVSs). Das können zum Beispiel Datenverfügbarkeitslayer, Cross-Chain-Bridges oder Orakelnetzwerke sein.
Restaker haben die Wahl zwischen dem Restaking von nativem ETH, von Liquid-Staking-Tokens und von Liquiditätsanbieter-Tokens (LP-Tokens). Jede Variante hat ihr eigenes Risiko- und Ertragsprofil.
Einleitung
Wer eine sichere Blockchain-Anwendung entwickeln will, muss dafür in der Regel ein völlig neues Validatoren-Set aufbauen. Für neue Projekte kann das teuer, langwierig und riskant sein. Da so jedes Projekt für seine Sicherheit allein sorgt, verteilt sie sich im gesamten Ökosystem auf viele voneinander getrennte Netzwerke und wird dadurch ausgedünnt.
EigenLayer ist ein Protokoll auf Ethereum, das genau dieses Problem lösen soll. Dazu hat EigenLayer einen Mechanismus namens Restaking eingeführt. Über ihn können Nutzer, die bereits ETH-Coins gestakt haben, die Sicherheitsgarantien dieser Coins auf weitere Dienste ausweiten, ohne die Coins zu entstaken oder zusätzliche Assets zu sperren. So wird das Protokoll zu einem Marktplatz für geteiltes, dezentrales Vertrauen.
Seit seinen Anfängen hat sich das Projekt weit über das reine Restaking hinaus entwickelt. Im Juni 2025 folgte die Umbenennung in EigenCloud. Seitdem positioniert sich EigenCloud als breiter aufgestellte Infrastrukturplattform. In diesem Artikel erfährst du, wie das Kernsystem funktioniert und was sich verändert hat.
Wie funktioniert EigenLayer?
Das Grundprinzip ist einfach. Ethereum-Staker melden sich freiwillig bei den Smart Contracts von EigenLayer an (Opt-in). Ihr gestaktes ETH (oder ihre Liquid-Staking-Tokens) sichert damit nicht nur Ethereum selbst ab, sondern gleichzeitig auch weitere Protokolle und Dienste.
EigenLayer baut auf dem Proof-of-Stake-Modell von Ethereum auf. Das eingesetzte Kapital der Staker sorgt dabei für ökonomische Sicherheit, und zwar nicht nur beim Ethereum-Basislayer, sondern auch bei bestimmten weiteren Diensten. Damit lässt sich zum Beispiel ein dezentrales Speichernetzwerk absichern, die Sicherheit für In-Game-Items in einem Blockchain-Spiel gewährleisten oder das Vertrauen in eine Kreditplattform stärken.
Diese zusätzlichen Protokolle und Dienste heißen aktiv validierte Dienste (Actively Validated Services, AVSs). Bevor der Ablauf des Restakings im Detail betrachtet wird, lohnt sich ein genauerer Blick auf die AVSs.
Was sind aktiv validierte Dienste (AVSs)?
AVSs sind Dienste und Anwendungen, die auf die gemeinsame Sicherheit von EigenLayer zurückgreifen. Das Spektrum reicht von Datenverfügbarkeitslayern und Cross-Chain-Bridges bis zu Orakelnetzwerken und Rollup-Infrastruktur. Jeder AVS legt eigene Teilnahmebedingungen fest, und Restaker entscheiden selbst, welche AVSs sie unterstützen.
Ein bekannter AVS ist EigenDA, der eigene Datenverfügbarkeitslayer von EigenLayer. EigenDA ist auf die Verarbeitung großer Datenmengen ausgelegt und eignet sich daher gut für Layer-2-Rollups und Anwendungen, die Daten effizient und kostengünstig speichern müssen.
So funktioniert Restaking Schritt für Schritt
1. Ein Nutzer stakt ETH auf Ethereum, entweder nativ oder über ein Liquid-Staking-Protokoll.
2. Er zahlt sein gestaktes ETH oder seine Liquid-Staking-Tokens (LSTs) in die Smart Contracts von EigenLayer ein.
3. Er wählt aus, welchen AVS er unterstützen möchte, und betreibt die dafür nötige Software entweder selbst oder delegiert diese Aufgabe an einen Operator.
4. Operatoren betreiben die AVS-spezifische Software im Auftrag der Restaker und erhalten dafür Erträge. In diesem Modell können die Restaker ihre Assets an Operatoren delegieren, die dann die technische Infrastruktur für einen oder mehrere AVSs verwalten.
5. Die von den AVSs erwirtschafteten Erträge werden je nach dem geleisteten Beitrag an Restaker und Operatoren ausgeschüttet.
Arten des Restakings
EigenLayer unterstützt drei Hauptarten des Restakings, die sich jeweils für unterschiedliche Nutzer und technische Voraussetzungen eignen:
Restaking von nativem ETH: Validatoren, die Ethereum-Knoten betreiben, können ihr ETH direkt restaken. Dazu hinterlegen sie in den Withdrawal-Credentials ihres Validators einen Smart Contract von EigenLayer als Auszahlungsadresse. Diese Variante erfordert mehr technisches Wissen und eignet sich eher für fortgeschrittene Nutzer.
Restaking von Liquid-Staking-Tokens (LSTs): Nutzer, die LSTs von Liquid-Staking-Protokollen halten, können diese Tokens bei EigenLayer einzahlen. Diese Variante ist ein gängiger Einstieg für alle, die keine eigene Validator-Infrastruktur betreiben möchten.
Restaking von Liquiditätsanbieter-Tokens (LP-Tokens): Nutzer können auch LP-Tokens aus Liquiditätspools einzahlen, die ETH oder LSTs enthalten. Damit steht Restaking ebenfalls Nutzern offen, die im DeFi-Bereich Liquidität bereitstellen.
Der EIGEN-Token
Im Jahr 2024, drei Jahre nach der Gründung von EigenLayer, wurde der EIGEN-Token eingeführt. EIGEN dient im Ökosystem als Utility- und Governance-Token. Tokenbesitzer können sich damit an der Governance beteiligen und zur Absicherung bestimmter AVSs beitragen, bei denen neben oder anstelle von nativem ETH-Restaking ein separates, tokenbasiertes Sicherheitsmodell zum Einsatz kommt.
Slashing und Regeldurchsetzung
Im April 2025 wurde Slashing im Ethereum-Mainnet aktiviert. Slashing bedeutet, dass ein Restaker oder Operator einen Teil seiner gestakten Assets verlieren kann, wenn er gegen die Regeln eines AVS verstößt oder nicht zuverlässig verfügbar ist.
Slashing gilt nicht pauschal für das gesamte Protokoll, sondern ist für jeden AVS optional (Opt-in). Jeder AVS legt eigene Slashing-Bedingungen fest, und Operatoren können nur dann von Slashing betroffen sein, wenn sie sich für den jeweiligen Dienst entscheiden. Mit einem späteren Upgrade wurde außerdem eine Umverteilungsfunktion eingeführt. Durch Slashing entzogene Mittel müssen seitdem nicht mehr nur vernichtet werden, sondern lassen sich an festgelegte Empfänger weiterleiten. Auch die Umverteilung ist nur per Opt-in möglich und gilt weder für natives ETH noch für den EIGEN-Token.
Von EigenLayer zu EigenCloud
Im Juni 2025 startete das Team hinter EigenLayer die Plattform EigenCloud. 2026 wurde das gesamte Projekt schließlich in EigenCloud umbenannt. Ziel war es, das Projekt nicht mehr nur als Restaking-Protokoll, sondern als Plattform für eine „verifizierbare Cloud“ zu positionieren.
Zum Angebot von EigenCloud gehören EigenDA für Datenverfügbarkeit, EigenCompute für Off-Chain-Berechnungen sowie Verifizierungstools wie EigenVerify oder EigenAI. Die Idee dahinter ist, dass Entwickler Anwendungen bauen können, deren Ergebnisse sich kryptografisch überprüfen lassen. Als Vertrauensbasis dient dabei die gemeinsame Sicherheit von EigenLayer.
EigenLayer bleibt das zugrundeliegende Protokoll, auf dem das Restaking stattfindet, während EigenCloud die umfassendere Plattform darum herum bezeichnet. Die Neuausrichtung zeigt, dass die Ambitionen des Projekts mit der Zeit gewachsen sind.
Vorteile von EigenLayer
EigenLayer soll die Sicherheit dezentraler Anwendungen (dApps) stärken. Dazu greifen verschiedene Dienste auf einen gemeinsamen Pool von Validatoren zurück. Nutzer wie Entwickler profitieren so von einer stabileren und sichereren Grundlage.
Zudem kann EigenLayer als Testumgebung dienen, in der sich neue Ideen erproben und überprüfen lassen, bevor sie in größerem Umfang umgesetzt werden. Ebenso wichtig ist, dass das Protokoll genehmigungsfreie Innovation fördert. Entwickler müssen nämlich kein eigenes Validatoren-Set mehr aufbauen und pflegen, sondern können per Restaking ein bestehendes Netzwerk von Validatoren nutzen. Das kann im gesamten Ethereum-Ökosystem mehr Raum für Experimente schaffen.
Risiken von EigenLayer
Wie jedes DeFi-Protokoll birgt auch EigenLayer Risiken, die Nutzer vor einer Teilnahme kennen sollten:
Slashing-Risiko: Restaker und Operatoren können von Slashing betroffen sein, also einen Teil ihrer gestakten Assets verlieren, wenn sie gegen die Regeln eines AVS verstoßen oder nicht wie gefordert online bleiben. Da jeder AVS eigene Richtlinien festlegt, können sich die genauen Bedingungen unterscheiden.
Smart-Contract-Risiko: EigenLayer basiert auf komplexen Smart Contracts. Jede Schwachstelle darin könnte zum Verlust von Mitteln führen.
Korreliertes Slashing: Operatoren, die mehrere AVSs gleichzeitig absichern, sind einem korrelierten Risiko ausgesetzt. Ein Fehler an einer Stelle könnte bei mehreren Diensten zugleich Strafen auslösen.
Zentralisierungsrisiko: Konzentriert sich ein großer Teil der per Restaking eingesetzten Assets bei wenigen Operatoren oder dominanten Staking-Pools, kann das zu einer Zentralisierung führen, die das übergeordnete Sicherheitsmodell beeinträchtigt.
Zusätzliche Komplexität: Beim Restaking kommen zum klassischen Ethereum-Staking weitere Ebenen hinzu. Gerade weniger erfahrene Teilnehmer können Risiken dadurch schwerer einschätzen und steuern.
FAQ
Was ist Restaking bei EigenLayer?
Beim Restaking setzen Nutzer bereits gestaktes ETH oder Liquid-Staking-Tokens erneut ein, um damit neben Ethereum auch weitere Dienste abzusichern, die sogenannten AVSs. Dazu zahlen sie ihre gestakten Assets in die Smart Contracts von EigenLayer ein und können anschließend einen oder mehrere AVSs unterstützen. Dadurch können sie unter Umständen weitere Erträge erzielen, gehen dabei aber auch zusätzliche Risiken ein.
Ist EigenLayer dasselbe wie EigenCloud?
Nicht ganz, aber beide sind eng miteinander verbunden. EigenLayer ist das ursprüngliche Restaking-Protokoll. Im Juni 2025 wurde das Gesamtprojekt in EigenCloud umbenannt und zu einer umfassenderen Plattform für eine „verifizierbare Cloud“ ausgebaut. Dazu gehören Dienste für Datenverfügbarkeit, Off-Chain-Berechnungen und Verifizierungstools. Das Restaking-System bleibt ein zentraler Bestandteil dieses erweiterten Angebots.
Was ist ein AVS?
Als aktiv validierter Dienst (AVS) wird jeder Dienst und jede Anwendung bezeichnet, die auf die gemeinsame Sicherheit von EigenLayer zurückgreift. Beispiele sind Datenverfügbarkeitslayer, Cross-Chain-Bridges, Orakelnetzwerke und Rollup-Infrastruktur. Jeder AVS legt eigene Regeln und Erträge fest, und Restaker entscheiden selbst, welche AVSs sie unterstützen.
Wann wurde Slashing bei EigenLayer aktiviert?
Slashing wurde im April 2025 im Ethereum-Mainnet aktiviert. Es gilt nicht pauschal für das gesamte Protokoll, sondern ist für jeden AVS optional (Opt-in). Slashing droht Operatoren daher nur bei den Diensten, für die sie sich entscheiden.
Fazit
Durch EigenLayer entstand ein neuer Ansatz, bei dem mehrere Dienste im Ethereum-Ökosystem auf dieselbe dezentrale Sicherheit zurückgreifen können. Über Restaking können Nutzer ihr bereits gestaktes ETH zusätzlich zur Absicherung weiterer Dienste einsetzen. Auf diese Weise lassen sich unter Umständen die Hürden für den Aufbau sicherer Infrastruktur senken und die Kapitaleffizienz der Teilnehmer steigern. In den vergangenen Jahren hat sich bei EigenLayer viel getan: Slashing wurde aktiviert, das Projekt in EigenCloud umbenannt und sein Tätigkeitsfeld in Richtung verifizierbarer Cloud-Dienste erweitert.