Beim Rückgang sieht man, wie OI stark abnimmt. Viele haben als Erstes die Reaktion: Die Short-Seller haben Gewinn mitgenommen, schnell kommt die Gegenbewegung zurück. Dieses Verständnis verwechselt „Risikofreisetzung“ oft fälschlich mit „Kaufdruck beim Einstieg“.

OI sagt dir nur, dass die Positionen im Markt weniger werden, aber nicht, wer als Gewinner ausgestiegen ist. Wenn der Preis fällt und OI gleichzeitig sinkt, kommt das viel häufiger durch das Stoppen von Longs, Zwangsliquidationen oder ein gemeinsames Reduzieren beider Seiten zustande. Solange der Abgabedruck im Spotmarkt noch da ist, kann der Preis nach dem „Auswaschen“ der Kontrakte genauso weiter nach unten laufen.

Ob Deleveraging wirklich zu einem Rebound-Signal wird, wird erst daraus, wenn man sieht, dass nach dem Bruch schnell wieder zurückerobert wird, das Handelsvolumen nicht weiter ansteigt und zudem der Spotmarkt dem Terminmarkt voraus in Stärke dreht. Wenn eines davon fehlt, bedeutet das nur, dass ein Teil des Risikos freigesetzt wurde – es beweist nicht, dass die Käufer das Ruder übernommen haben.

OI-Abnahme direkt als „Tief erreicht“ zu übersetzen, ist der erste Schritt in die Irre: Zuerst ist nicht der Rebound bestimmt, sondern dass du wieder eine Runde Gebühren und Slippage bezahlt hast. OI ist ein Patientenmonitor auf der Intensivstation, kein „Wiederbelebungs“-Knopf.