Nachmittags hockte ich mich aufs Sofa und blätterte in „Zen und die Kunst, ein Motorrad zu reparieren“. Da habe ich einen Satz gelesen, und plötzlich bin ich kerzengerade aufgerichtet.

„Wirkliche Motorradreparatur besteht nicht darin, wie viele Werkzeuge du kennst, sondern ob du wirklich auf das Geräusch des Motors hörst.“

Ist das nicht genau wie Trading?

Heute wurde $ETH von 1.788 auf 1.882 hochgezogen. In 24h ging es über fünf Prozentpunkte, Umsatz: 700 Millionen U. Das Orderbuch liegt hier offen vor dir – gleitende Durchschnitte, MACD, Bollinger-Bänder … Mit jedem Indikator kann man sich die Sache erklären. Aber wenn du darauf starrst: Siehst du dann das Chart, oder schaust du auf die vorgefertigten Annahmen in deinem Kopf?

Je mehr man sich mit technischer Analyse beschäftigt, desto leichter vergisst man das ursprünglichste: still zu beobachten.

Wie beim Reparieren eines Motorrads: Wenn der Schraubendreher überall herumliegt, musst du zuerst hören, ob das Atmen des Motors ruhig und stimmig ist. Das heutige Chart hat ein einziges Merkmal – Ruhe. Der Kurs wird stabil hochgeschoben, das Volumen ist gleichmäßig, nicht wie jemand, der Ärger machen will. Aber schau in die Kommentare – da wimmelt es nur so von Leuten, die raten, ob es zurücksetzt oder ausbricht.

Das ist Lärm.

Wer „Zen und die Kunst, ein Motorrad zu reparieren“ wirklich liest und sich darauf einlässt, versteht: Qualität liegt nicht in den Kerzen. Sie liegt in der Lücke zwischen dir und dem Chart. Je mehr du versuchst, es festzuhalten, desto mehr entwischt es.

Diese „unnützen“ Bücher sind besser als hundert KOLs, die zum Kauf/Verkauf rufen. Sie bringen dir wenigstens bei, ruhig zu werden und zu beobachten.

Mach dir das als Erstes Notiz.