Guten Morgen zusammen.
Gestern Abend gab es viele Markt-News. Am stärksten wirkten aber vor allem zwei Punkte: Erstens eskaliert die Lage im Nahen Osten weiter, und zweitens werden heute Abend die US-CPI-Daten veröffentlicht. Diese beiden Faktoren bestimmen im Grunde das Risikoappetit-Niveau des Marktes für die kommenden Tage.
Zuerst zur Lage im Nahen Osten:
In den vergangenen 24 Stunden hat sich die Lage zwischen Iran und den USA erneut aufgeheizt. Die USA haben angekündigt, die Seeblockade gegen iranische Häfen und Küstenregionen zu verstärken. Iran wiederum erklärte, in der Nähe der Straße von Hormus ausländische Öltanker angegriffen zu haben. Die angespannte Stimmung im Nahen Osten eskaliert damit weiter. Zudem führen US-Militärstreitkräfte bereits die dritte Nacht in Folge militärische Angriffe gegen Iran durch; auch der Konflikt zwischen den jemenitischen Huthi-Rebellen und Saudi-Arabien facht sich weiter auf.
Angesichts der Flucht-in-Qualitäts-/Risikovermeidungsstimmung ist der internationale Ölpreis deutlich gestiegen. Brent-Öl hat wieder die Marke von rund 80 US-Dollar überschritten. Kapital fließt in Schutzwerte, während globale Risikoanlagen insgesamt unter Druck geraten. Technologiewerte und der Halbleitersektor zeigen dabei deutliche Rücksetzer.
Allerdings bleibt Trump weiterhin bei seinem gewohnten Stil: Er übt weiter Druck aus und sendet gleichzeitig das Signal, dass es „immer noch Chancen auf Verhandlungen“ gibt. Daher ist die größte Variable für den Markt derzeit, ob beide Seiten im weiteren Verlauf die Spannungen bzw. Konflikte weiter eskalieren.
Auf der anderen Seite sind auch die US-CPI-Daten für Juni, die heute Abend anstehen, sehr wichtig.
Der Markt preist bereits im Voraus die Zinserhöhungserwartungen ein. Der US-Notenbank-Rat Waller hat in seinem jüngsten Statement eine eher hawkische Haltung eingenommen: Er sagte, wenn der Kern-CPI erneut über den Erwartungen liege, werde die Fed eine weitere Straffung der Geldpolitik in Betracht ziehen. Gleichzeitig betonte er, dass weiterhin Inflationsdruck durch Energiepreise, Zölle und Investitionen in KI besteht. Er warnte außerdem davor, dass Risiken aus zu hohen Bewertungen von KI-Vermögenswerten entstehen könnten.
Man kann sagen: Wenn die CPI-Daten heute Abend über den Erwartungen liegen, könnte der Markt kurzfristig erneut unter Druck geraten; wenn sie unter den Erwartungen liegen, ist es wahrscheinlich, dass sich die Marktsorgen wegen weiterer Zinserhöhungen etwas beruhigen.
Betrachtet man die Liquidität: Im aktuellsten Handelstag kam es bei den Krypto-ETFs insgesamt weiterhin zu Nettoabflüssen von rund 258 Millionen US-Dollar. Das zeigt, dass institutionelle Gelder kurzfristig noch eher vorsichtig sind. Dennoch flossen bei ETFs mit Bezug auf BTC weiterhin Teile von Kapital hinein, was darauf hindeutet, dass weiterhin ein Bedarf an der Positionierung in Bitcoin besteht – allerdings ist der generelle Risikoappetit etwas zurückgegangen. Über die letzten fünf Handelstage hinweg blieb das Bild insgesamt im Nettoabfluss. Institutionelle Marktteilnehmer setzen aktuell also vor allem auf Risikobegrenzung.
Schauen wir uns als Nächstes die Kursentwicklung an:
Derzeit hat sich der Gesamttrend noch nicht deutlich verschlechtert; weiterhin dominiert eine Seitwärtskonsolidierung, und es kam nicht zu panikartigen Verkäufen. Technisch betrachtet wirkt der breite Markt kurzfristig eher so, als warte er auf das Eintreffen von Nachrichten – insbesondere vor der Veröffentlichung des CPI heute Abend. Die Stimmung ist dementsprechend von Abwarten geprägt.
Daher ist meine persönliche Einschätzung: Heute tagsüber dominiert weiterhin eine Seitwärtsbewegung. Ich würde nicht blind hinterherlaufen; es ist besser, geduldig auf die Richtungsentscheidung nach der Datenveröffentlichung zu warten – das ist deutlich robuster.
Wichtig sind vor allem ein paar Schlüsselbereiche:
BTC: Achte auf die Unterstützung um die 61.000er-Marke. Wenn diese hält, bleibt die Gesamtstruktur weiterhin gesund.
ETH: Die Kursentwicklung ist relativ stärker als der Gesamtmarkt. Im Fokus steht die Unterstützung rund um die 1.700er-Marke.
SOL: Achte auf die Unterstützung in der Nähe von 72,5. Solange kein massiver Bruch nach unten mit erhöhtem Volumen erfolgt, ist das Gesamtbild kein großes Problem.
Alles in allem ist der größte Fokus des heutigen Marktes, ob sich die Lage zwischen Iran und Israel (bzw. die Spannungen in der Region) weiter verschärft und wie die CPI-Daten aus den USA heute Abend ausfallen. Solange die Nachrichten noch nicht eingepreist sind, ist es wichtiger, die Positionen im Griff zu behalten und geduldig auf die Daten zu warten, statt ständig hektisch zu handeln. Der Markt ist aktuell noch nicht komplett in eine Schwächephase gekippt, aber die kurzfristige Volatilität dürfte deutlich anziehen – also: Risikokontrolle sicherstellen.



