Der Arbeitsmarktbericht der vergangenen Woche verschaffte dem Markt eine Verschnaufpause: Die US-Arbeitsmarktdaten für Juni blieben hinter den Erwartungen zurück, und die Zahl der neu geschaffenen Stellen betrug nur 57.000 – weniger als die Hälfte der Prognose.

Die Erwerbsbeteiligungsquote ist auf 61,5 % gesunken; rund 720.000 Menschen sind aus dem Arbeitsmarkt ausgeschieden. Die Arbeitslosenquote ist zwar leicht auf 4,2 % gefallen, doch dahinter steckt ein Rückgang der Beschäftigtenzahl um 507.000.

Insgesamt handelt es sich um einen allmählichen Abkühlungsprozess, nicht um einen Zusammenbruch der Beschäftigungslage – so wie es der Chefstratege für Fixed Income bei BlackRock beschrieben hat: „Das ist ein Blindgänger statt einer Feuerwerksrakete.“

Nach der Veröffentlichung der Daten kürzte der Markt die Wetten auf weitere Zinserhöhungen der Fed rasch: Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September sank auf etwa 45 %. Der US-Dollar verzeichnete den größten wöchentlichen Rückgang seit Anfang April, und die Renditen von US-Staatsanleihen fielen. Die nachlassenden makroökonomischen Belastungen eröffnen Risikovermögenswerten ein Zeitfenster für eine Erholung.

Bitcoin-Spot-ETFs reagierten als Erste: Sie beendeten eine Serie von 10 Handelstagen mit Nettoabflüssen. Am selben Tag verzeichneten sie Nettozuflüsse von 220 Millionen US-Dollar – ein Allzeithoch seit Mai.$BTC

BTC hat sich von einem Tief unter 58.000 US-Dollar innerhalb von rund 21 Monaten schnell erholt und ist wieder über 63.000 US-Dollar gestiegen. Allerdings liegen die kumulierten Nettoabflüsse aus ETFs seit Anfang Mai noch immer bei nahezu 8,5 Milliarden US-Dollar; die Rückflüsse an einzelnen Tagen gleichen den Verkaufsdruck nur teilweise aus und stellen noch keine Trendwende dar.

Auch der Optionsmarkt bleibt vorsichtig: Auf Deribit ist bei Bitcoin-Optionen die implizite Prämie für Put-Optionen gegenüber Calls weiterhin vorhanden. Die einwöchige 25-delta-Skew liegt bei rund 16%; im Vergleich zur vorherigen 25% ist das zwar deutlich weniger geworden, was auf eine Beruhigung der Angststimmung hindeutet. Dass die Prämie jedoch überhaupt existiert, zeigt, dass weiterhin Bedarf zur Absicherung besteht – und das Kapital jederzeit bereit ist, sich auf erneute Abwärtsbewegungen einzustellen.

Besonders beachtenswert sind die von Laevitas ausgewiesenen Daten: Am 17. Juli fällige große Bitcoin-Optionspakete. Diese Struktur setzt sich aus Longs im Bereich von 64.000–70.000 US-Dollar und Shorts im Bereich von 66.000–68.000 US-Dollar zusammen. Die größte Gewinnzone liegt bei 66.000–68.000 US-Dollar.

Das bedeutet, dass dieser Bereich kurzfristig wie eine weiche Deckelung wirkt: Sobald der Preis sich ihm nähert, wird man auf stärkeren Verkaufsdruck treffen. Dadurch ist der Spielraum für den Rebound vor einem Breakout begrenzt. Gleichzeitig gilt die Marke von 60.000 US-Dollar weiterhin als wichtige Trennlinie dafür, wie stark der Rebound ausfällt.

Am vergangenen Freitag war der US-Aktienmarkt zudem geschlossen. Dadurch fehlten traditionelle Bestätigungsquellen wie das ETF-Handelsvolumen und das Futures-Orderbuch. Die Liquidität war dünn, was die Volatilität verstärkt und dazu führt, dass die oben beschriebene Optionsstruktur kurzfristig mehr Einfluss darauf hat, wie sich der Kurs entwickelt.

Technisch gesehen befindet sich Bitcoin im Tageschart weiterhin innerhalb einer größeren Korrekturstruktur. Zwar prallt der Kurs aktuell von der Unterstützung bei 60.000 US-Dollar nach oben ab, doch er liegt immer noch deutlich unter dem entscheidenden Widerstandsbereich bei 72.000–74.000 US-Dollar.

Wenn es anschließend dauerhaft gelingt, über 66.000 US-Dollar zu schließen und das Ganze von einem passenden Anstieg des Handelsvolumens begleitet wird und die ETF-Abflüsse zurückgehen, könnte sich die Marktstimmung drehen – und damit eine nachhaltigere Erholung wahrscheinlicher machen.

Auch on-chain-Daten geben eine Warnung aus: Der aktuelle Bitcoin-Preis liegt unter den durchschnittlichen Kosten von Haltern mit einer Laufzeit von 1 bis 3 Monaten von etwa 75.000 US-Dollar. Das bedeutet, dass viele Anleger, die in letzter Zeit eingestiegen sind, sich noch in einem nicht realisierten Verlustzustand befinden. Wenn der Rebound ins Stocken gerät, könnte die potenzielle Verkaufsbereitschaft dieser Gruppe die Marktstimmung spürbar dämpfen.

Daher betrachtet ist der Rebound, der durch die jüngsten Beschäftigungsdaten ausgelöst wurde, eher eine Korrektur aufgrund eines makroökonomisch positiven Impulses – nicht ein Umkehrsignal.

Ob die kommenden Tage ETF-Nettozuflüsse anhalten, ob ein Breakout über 66.000 US-Dollar mit größerem Volumen gelingt und ob sich die Absicherungsprämie an den Optionen weiter abbauen lässt, sind die entscheidenden Faktoren, um zu beurteilen, wie der Rebound verläuft. Bis dahin bleibt der Markt in einem Zustand der Unsicherheit.