Die Erholung der internationalen Handelswege nach der geopolitischen Zuspitzung dürfte die Preise für Rohöl Brent voraussichtlich bis zum Jahresende auf einen Bereich von 60 bis 65 US-Dollar pro Barrel drücken. Citigroup ist der Ansicht, dass diese Normalisierung der Versorgung stark durch das Fortbestehen des makroökonomischen Friedensabkommens gestützt wird, das das Risiko weiterer Konflikte minimiert. Für den digitalen Asset-Markt könnte das Potenzial eines Rückgangs der Energiepreise ein positiver Katalysator sein, der den globalen makroökonomischen Druck weiter lockert.
Kontext / Hintergrund
Der neueste Bericht von Citigroup, der über die Financial Times veröffentlicht wurde, hebt eine drastische Verschiebung auf dem globalen Energiemarkt hervor. Nachdem die Risikoprämien zeitweise aufgrund logistischer Behinderungen in der Straße von Hormus während des Konflikts im Nahen Osten vor einiger Zeit stark angestiegen waren, werden die geopolitischen Risikokosten nun offenbar vollständig abgebaut. Die Wiederherstellung der Handels- und Navigationsströme folgt auf die Unterzeichnung eines hochrangigen Memorandums zur Verständigung (MOU) über eine Waffenruhe, das als Zeichen gewertet wird, dass sich die Konfliktparteien aneinander abgearbeitet haben. Die Citi-Analysten gehen davon aus, dass diese Friedenspartnerschaft anhalten wird, da für eine der Seiten kaum ein wirtschaftlicher Vorteil zu erwarten ist, wenn sie versuchen würde, sie zu brechen.
Details & Wichtige Daten
Laut den neuesten Marktdaten liegt der Preis für Brent-Rohöl derzeit bei rund 71 bis 72 US-Dollar pro Barrel, nachdem er im zweiten Quartal deutlich gefallen ist – von seinem bisherigen Hochpunkt, der zeitweise über 126 US-Dollar gestiegen war. Die Analyse von Citi hebt mehrere entscheidende fundamentale Punkte hervor:
Jahresend-Projektion: Citi rechnet damit, dass Brent im Zeitraum bis Dezember das Niveau von 60 bis 65 US-Dollar pro Barrel erreicht.
Erholung der Lieferwege: Das Logistikvolumen in der Straße von Hormus stieg kontinuierlich auf 7 Millionen Barrel pro Tag. Das signalisiert, dass sich die Lieferroute allmählich normalisiert, auch wenn sie noch nicht die vorpandemische Kapazität von 15 Millionen Barrel erreicht hat.
Potenzial für Überschuss: Eine schwache Struktur der globalen Nachfrage, kombiniert mit einer beschleunigten Erholung der Produktion unter erhöhtem Risiko, könnte den Ölmarkt wieder in einen Zustand mit Überangebot (oversupply) zurückführen.
Angesichts dieses Trend-Umschwungs empfehlen Analysten den Marktteilnehmern, die Dynamik des kurzfristigen Kursanstiegs während des Sommers zu nutzen, um Verkaufspositionen aufzubauen (sell into summer rallies). Diese bärische Einschätzung wird auch von anderen großen Instituten wie Goldman Sachs und Morgan Stanley geteilt, die ihre Jahresend-Ziele jeweils nach unten auf die Untergrenze revidierten.
Analyse der Auswirkungen auf den Krypto-Markt
Obwohl die Kursbewegungen bei Energie-Rohstoffen scheinbar unabhängig von der digitalen Industrie sind, besteht zwischen einem starken Rückgang der Preise für Rohöl auf einen Bereich um 60 US-Dollar und der indirekt sehr signifikanten Auswirkung auf Krypto-Assets wie Bitcoin eine enge Korrelation:
Deflation im Energiesektor: Ein nachhaltiger Rückgang der Rohölpreise senkt die globalen Betriebs- und Logistikkosten in großem Ausmaß. Dies ist ein zentraler Treiber für die Abschwächung der Inflationszahlen (CPI) auf globaler Ebene.
Lockerung der Geldpolitik der Zentralbank: Eine sich abflachende Inflation verschafft der Federal Reserve (Fed) Spielraum, ihre Geldpolitik erneut zu bewerten. Der Druck, hohe Zinssätze beizubehalten oder weitere Zinserhöhungen vorzunehmen, nimmt ab.
Steigende Liquidität bei risikoreichen Assets: Wenn die Erzählung über sinkende Zinssätze oder eine lockere Geldpolitik erneut durch eine geringere Energieinflation Auftrieb erhält, könnte die globale Liquidität steigen. Dies führt in der Regel dazu, dass wieder mehr Kapital in Instrumente mit hoher Risikokonzentration wie Bitcoin und Altcoins zurückfließt – durch einen Umschwung der Abflüsse (outflow) in ETF-Instrumenten.
Fazit
Die Normalisierung der globalen Öllieferungen auf 60 US-Dollar pro Barrel bis Dezember deutet auf eine abnehmende Unsicherheit in Bezug auf die makroökonomischen Rahmenbedingungen hin, die den Markt bislang belastete. Die „Inflationslast“ durch Energie könnte den Weg für eine Stärkung neuer Liquidität ebnen, die sich für die langfristige Entwicklung von Krypto-Assets günstig auswirkt.
