Gold wird gemeinhin als erster sicherer Hafen für Anleger in Kriegs- und Krisenzeiten bezeichnet. In solchen Phasen fließt das Geld typischerweise dorthin, wenn die Risiken und Unsicherheiten auf den globalen Märkten zunehmen. Doch das aktuelle Bild wirkt auffallend anders: Statt von den sich verschärfenden Spannungen im Nahen Osten zu profitieren, steuert das Edelmetall darauf zu, das laufende Quartal mit Verlusten von rund 13 % zu beenden – dem stärksten vierteljährlichen Rückgang seit 13 Jahren. Diese Entwicklung spiegelt eine Veränderung der Prioritäten der Anleger wider und zeigt, wie stark die US-Geldpolitik die Kursrichtungen der Märkte bestimmt.
Analysten sind der Ansicht, dass die Märkte sich nicht mehr nur auf die geopolitischen Risiken konzentrieren, sondern stärker darauf, wie sich diese Ereignisse auf die Inflation und die Geldpolitik auswirken. Das hat dazu geführt, dass steigende Zinsen aktuell der wichtigste Faktor bei der Preisbildung für Gold sind.

Die Fed überlagert die Wirkung der Kriege
Der größte Druck auf Gold kommt daher, dass die Anleger zunehmend davon überzeugt sind, dass die US-Notenbank Fed die Zinssätze nicht nur auf ihrem hohen Niveau belassen, sondern den geldpolitischen Straffungszyklus in den kommenden Monaten möglicherweise fortsetzen wird, um die Inflation einzudämmen.
Laut den Daten eines Zins-Follow-up-Tools für die USA, das auf Einfssing Saudi verfügbar ist, erwarten die Märkte im laufenden Jahr 3 Zinserhöhungen, während die Wahrscheinlichkeit für eine Anhebung über 60% für die Sitzung im September eingepreist wird.
Das bedeutet, dass die Kosten für das Halten von Gold, das keine Rendite abwirft, im Vergleich zu anderen zinstragenden Vermögenswerten wie Anleihen und festverzinslichen Instrumenten steigen. Das veranlasst einen Teil der Anleger dazu, sein Geld weg vom gelben Metall umzuschichten.
Außerdem stärkt die anhaltende Stärke der US-Wirtschaftsdaten – insbesondere die Daten zum Arbeitsmarkt und zum Ausgabenverhalten – die Überzeugung der Anleger, dass die Wirtschaft eine noch strengere Geldpolitik weiterhin verkraften kann. Das stützt die Erwartungen an Zinsanhebungen und verstärkt den Druck auf Gold.
Der Dollar und die realen Renditen versetzen einem doppelten Schlag
Die Belastung beschränkt sich nicht nur auf die Zins-Erwartungen: Der US-Dollar behauptet weiterhin seine Stärke gegenüber den meisten wichtigen Währungen. Getragen wird das durch die sich ausweitende Spanne zwischen den US-Zinsen und denen in den großen Volkswirtschaften.
Die Stärke des Dollars macht Gold für Anleger, die in anderen Währungen agieren, teurer. Das begrenzt die weltweite Nachfrage nach dem Edelmetall.
Gleichzeitig steigen die realen Renditen auf US-Anleihen weiter. Das stellt für Gold einen starken Wettbewerber dar: Der Anleger erzielt eine hohe reale Rendite, ohne die Schwankungen des Metallpreises tragen zu müssen.
Einige Analysten vertreten die Auffassung, dass das Aufeinandertreffen der Dollar-Stärke mit dem Anstieg der realen Renditen einer der wichtigsten Gründe dafür war, dass Gold von den jüngsten geopolitischen Spannungen nicht profitieren konnte, obwohl diese unter früheren Bedingungen ausgereicht hätten, um neue Allzeithochs zu erreichen.
Sinkende Energiepreise dämpfen Inflationssorgen
MUFG-Analysten zufolge könnte Gold in der nahen Zukunft unter Druck bleiben, während die Energiepreise nachgeben und einige mit der gestiegenen Inflation verbundenen Sorgen nachlassen.
Sie erklärten, dass sinkende Ölpreise die Wahrscheinlichkeit für eine neue Inflationswelle verringern und damit den Bedarf an einer Absicherung über Gold begrenzen.
Sie fügten hinzu, dass die anhaltende Stärke des Dollars – zusammen mit der Verfestigung der Erwartung, dass die Zinsen länger auf hohem Niveau bleiben – die Nachfrage nach sicheren, aber nicht renditebringenden Vermögenswerten senkt, allen voran Gold.
Analysten glauben, dass diese Faktoren alle Versuche dämpfen könnten, sich das Edelmetall kurzfristig wieder zu erholen – es sei denn, die Märkte würden eine klare Veränderung in den Erwartungen an die US-Geldpolitik erkennen lassen.
Was braucht Gold, um wieder an Glanz zu gewinnen?
Beobachter sind der Ansicht, dass Gold eine grundlegende Veränderung im wirtschaftlichen Umfeld braucht, um seinen Aufwärtstrend wieder aufzunehmen.
Das am stärksten unterstützende Szenario für das gelbe Metall wäre ein Rückgang der Inflationstendenz in einem Tempo, das es der US-Notenbank ermöglicht, ihren restriktiven Kurs aufzugeben. Alternativ wären Hinweise auf eine Verlangsamung der US-Wirtschaft denkbar, die die Zentralbank dazu veranlassen könnte, Pläne für weitere Zinserhöhungen zu verschieben oder ganz zu streichen.
Auch eine spürbare Schwäche des US-Dollars oder ein Rückgang der realen Renditen bei Anleihen könnte einen Teil der Anlageflüsse zurück in Richtung Gold lenken.
Doch unter den aktuellen Gegebenheiten scheint der Markt der US-Geldpolitik Priorität einzuräumen – zulasten der geopolitischen Faktoren. Das erklärt den anhaltenden Druck auf das Edelmetall, obwohl weiterhin Unsicherheit in vielen Regionen der Welt herrscht.
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