
Das Verhalten der Schüler ist zum Hauptproblem für die Lehrer in Deutschland geworden. Das geht aus einer Studie mit dem Titel „Deutscher Schulbarometer 2026“ („Deutsches Schulbarometer 2026“) hervor, die von der Robert-Bosch-Stiftung veröffentlicht wurde. An der repräsentativen Umfrage nahmen 1547 Pädagogen aus allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen des Landes teil.
Das Verhalten von Schülerinnen und Schülern bereitet Lehrkräften zunehmend Sorgen
46% der Befragten nannten das Verhalten der Schülerinnen und Schüler als das Hauptproblem im Berufsalltag. In den letzten zwei Jahren ist dieser Wert deutlich gestiegen: 2024 gaben so 35% der Lehrkräfte an, 2025 waren es 42%.
Unter problematischem Verhalten verstehen Lehrkräfte nicht nur disziplinarische Verstöße. Am häufigsten nennen sie Schwierigkeiten im sozialen Verhalten der Schülerinnen und Schüler, fehlende Motivation und die fehlende Bereitschaft, zu lernen, psychologische Probleme, Probleme mit der Konzentration sowie Aggression, Mobbing und negative Auswirkungen sozialer Medien.
Besonders häufig weisen auf solche Probleme Lehrkräfte allgemeinbildender und berufsbildender Schulen hin. In Gymnasien und Grundschulen treten ähnliche Schwierigkeiten seltener auf.
An zweiter Stelle unter den Problemen im Lehrerberuf stand die Inhomogenität der Klassen – Unterschiede im Leistungsniveau und in den Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler. Das nannten 34% der Befragten. Weitere 27% beklagten eine hohe Arbeitsbelastung und Zeitmangel.
Gleichzeitig rückt der Personalmangel, der noch vor kurzem als eines der Hauptprobleme der deutschen Schule galt, nach und nach in den Hintergrund. Wenn 2024 die fehlenden Mitarbeitenden von 26% der Lehrkräfte als ernstes Problem genannt wurden, waren es 2026 bereits 18%.
Die Hälfte der Lehrkräfte zweifelt am Erfolg der Inklusion
Die Studie zeigte außerdem eine ambivalente Haltung der Lehrkräfte zur inklusiven Beschulung. Etwa 52% der Befragten sind der Meinung, dass das gemeinsame Lernen von Kindern mit unterschiedlichen Bildungsbedürfnissen nicht für alle Schülerinnen und Schüler von Nutzen ist.
Die Autoren der Studie stellen fest, dass Schulen für eine erfolgreiche Inklusion an Ressourcen und Fachkräften mangeln. Lehrkräfte, die sich für die Arbeit in inklusiven Klassen gut vorbereitet fühlen, berichten deutlich seltener von Anzeichen von beruflichem Burnout und bewerten die Ergebnisse dieses Modells häufiger positiv.
Lehrkräfte sind mit ihrem Beruf zufrieden, aber…
Trotz hoher Arbeitsbelastung bleibt die Mehrheit der Pädagoginnen und Pädagogen positiv gegenüber ihrer Arbeit eingestellt. Die Zufriedenheit mit dem Beruf ist nach wie vor hoch und liegt bei 83%.
Gleichzeitig gaben 28% der Lehrkräfte an, dass sie ihren Beruf wechseln würden, wenn sie die Möglichkeit dazu hätten. Jeder vierte Pädagoge (24%) erlebt mehrmals pro Woche emotionale Erschöpfung, und 12% fühlen sich nahezu täglich ausgebrannt.
Besonders hohe Werte für Burnout haben die Forschenden bei Lehrkräften unter 40 Jahren festgestellt.
Diskussion über politische Bildung
Ein eigener Abschnitt der Studie widmet sich der demokratischen Erziehung. Fast die Hälfte der Lehrkräfte (48%) ist der Ansicht, dass in ihrer Schule mehr getan werden müsse, um Wissen über Demokratie zu vermitteln. Besonders häufig äußern das Lehrkräfte aus Schulen, in denen der Anteil von Kindern aus einkommensschwachen Familien hoch ist.
Die Studie zeigt eine spürbare Unsicherheit der Lehrkräfte in Fragen der politischen Bildung. Rund 18% der Befragten gaben an, dass sie die politische Neutralität beunruhigt. In den ostdeutschen Bundesländern erreicht dieser Wert 27%. Fast ein Viertel der Lehrkräfte ist der Meinung, sie dürften zu politischen Themen ihre eigene Meinung nicht äußern, und 23% glauben, um eine neutrale Position zu wahren, müssten alle Meinungen der Schülerinnen und Schüler als gleichermaßen richtig anerkannt werden.
Die Autoren der Studie halten solche Vorstellungen für irrtümlich. Ihr Fazit: Die Schule soll den Schülerinnen und Schülern helfen, eine eigene Position auf der Grundlage verschiedener Argumente zu entwickeln, und Pädagoginnen und Pädagogen dürfen die Grundsätze der Demokratie und der Menschenwürde offen vertreten. Laut Umfrage stimmen dem 96% der Lehrkräfte zu.